Vorwort
Das Volksbildungswerk veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen Beiträge über interessante Themen aus den Bereichen der Weiterbildung.
Die Weiterbildung dient der Verwirklichung des Rechts auf Bildung. Wichtig ist für uns, dass wir ein Angebot präsentieren, das den Bedürfnissen unserer Bevölkerung entspricht.
Sagen Sie uns deshalb bitte, was Sie gut oder weniger gut finden. Welches Thema interessiert Sie besonders? Dies betrifft natürlich alle Bereiche der Weiterbildung.
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Musikalische Bildung ist unverzichtbarer Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung.
Musik bringt Menschen – auch über nationale Grenzen – zusammen.
Hauptsache Musik
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Was verstehen wir unter Musik?
Der Begriff Musik geht zurück auf das griechische Wort musikè, worunter das griechische Altertum zunächst die musischen Künste Dichtung, Musik und Tanz als eine Einheit, dann die Tonkunst im besonderen verstand. Was im einzelnen darunter zu verstehen ist, definiert jede Kultur und Epoche anders.
Alle heutigen Definitionsversuche haben folgende Bestimmungen gemeinsam:
1. Musik ist primär hörbar (ihre besonders in Kunstmusik allein durch die Notation erfassbaren Erscheinungen stehen an zweiter Stelle)
2. Musik ist im Gegensatz zum Naturlaut vom Menschen absichtsvoll und nach gewissen Gesetzen gestaltet
3. als bewusst gestaltetes akustisches Phänomen hat Musik im Gegensatz zur Sprache meist keine eindeutig zeichenhafte Bedeutung
4. Musik ist vielfach eine kommunikative Aktion im weitesten Sinn.
Außerhalb Europas haben sich äußerst unterschiedliche und oft hochstehende Musikkulturen entwickelt. Wurden sie in Europa lange gänzlich unterschätzt, so wird im 20. Jahrhundert, besonders durch die musikalische Völkerkunde, ihre historische und soziale Schichtung deutlich. Unterschiede bestehen sowohl in den Tonsystemen, den Musikinstrumenten, den musikalischen Gattungen als auch in deren gesellschaftlicher Funktion.
Die Musik enthält zwei Elemente: das akustische Material und die geistige Idee. Beide stehen nicht wie Form und Inhalt nebeneinander, sondern verbinden sich in der Musik zu einer ganzeinheitlichen Gestalt.
Das akustische Material erfährt, um Träger der geistigen Idee werden zu können, eine vormusikalische Zubereitung durch Auswahl und Ordnung: aus der Vielfalt der natürlichen Klänge wählt man Töne aus. Die Struktur des Tones, die Tonhöhe, zeigt bereits eine Ordnung, die ihn zum geistigen Sinnträger bestimmt. Im gleichen Sinne und zu einer allgemeinen Vorverständigung ordnet man die Töne in Intervallen, in Gebrauchstonleitern usw., wobei sie bestimmte Qualitäten erhalten. Aus Tondauer, Zeitmaß, Rhythmus usw. erwachsen weitere Ordnungsprinzipien und Kompositionsmöglichkeiten.
Die geistige Idee gestaltet das akustische Material zur Tonkunst. Mit dem Geistigen erhält Musik Geschichte. Unter der Musikgeschichte versteht man die Erforschung der Kompositionstechnik, der Formen, der Stile und Gattungen usw. Das Geistige in ihr bindet die Musik aber auch an den allgemeinen kultur- und geistesgeschichtlichen Hindergrund. Musik erklingt als Ausdruck und Geste ihrer Zeit und ist nur als solche ganz zu verstehen.
Blasorchester
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Das Blasorchester –auch Harmonieorchester genannt- erfuhr seine Profilierung im 19. Jh. im Zusammenhang mit der Verbesserung und Neukonstruktion von Blasinstrumenten und dem großen Aufschwung militärischer und unterhaltender Blasmusik. Als Vorbild diente das Sinfonieorchester, wobei das Problem, eine den Streichern gleiche Blasinstrumentengruppe zu finden, mit dem Bau der Bügelhörner (Flügelhorn, Althorn, Tenorhorn, Bariton, Tuba) weitgehend gelöst wurde. Innerhalb des Blasorchesters existieren verschiedene Gruppen (Register), in denen Instrumente unterschiedlicher Stimmlagen vertreten sind, so dass dem Komponisten bzw. Bearbeiter eine umfangreiche Klagpalette zur Verfügung steht. In der Partitur eines großen Blasorchesters sind heute in der Regel folgende Stimmen besetzt:
Holz:
Flöte I/II mit Piccolo
Klarinette in Es
Klarinette I-III in B
Saxophone/Hörner:
Altsaxophon I/II in Es
Tenorsaxophon I/II in B
Baritonsaxophon in Es
Horn I-IV in F bzw. Es
„enges“ Blech:
Trompete I-III (IV) in B
Posaune I-III (IV)
Schlagzeug:
Große Trommel mit Becken
Kleine Trommel
Pauken
zusätzliches Schlagwerk wie Glockenspiel, Xylophon, Triangel
„weiches“ Blech
Flügelhorn I/II in B
Tenorhorn I-III in B
Bariton
Tuba I/II
Aufgrund eigenständiger nationaler Entwicklungen treten jedoch immer noch Abweichungen in Besetzung und Notierung auf.
Erscheinungsformen der populären Musik
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Die gegenwärtigen Erscheinungsformen der populären Musik reichen von Rock, Pop, Blues und Folk bis zu Chanson, Musical, Blasmusik und volkstümlichen Lied. Es muss jedoch dar-auf hingewiesen werden, dass sich der Begriff der populären Musik nicht als Kategorie auf einen Katalog von Merkmalskomplexen festlegen lässt, sondern ständigen Veränderungen unterliegt. Populäre Musik ist vielmehr als Resultat eines komplexen gesellschaftlich-kulturellen Prozesses anzusehen, dessen Hauptakteure –Musiker, Publikum und Industrie- ihre Vorstellungen davon, was populäre Musik jeweils sein soll oder werden kann, gegenein-ander auszuhandeln und durchzusetzen versuchen.
In der Zusammenfassung kann man der populären Musik in den westlichen Industrieländern folgende Erscheinungsformen zurechnen:
• die verschiedenen Formen der praktisch angewandten Musik wie die Marschmusik oder die Tanzmusik
• die verschiedenen Formen der Unterhaltungsmusik wie die Salonmusik, die Blasmusik und die populäre Klassik
• die musikalischen Formen des unterhaltenden Musiktheaters wie die Operette, das Musi-cal, aber auch die Schwänke des 19. Jh.
• Gattungsmischformen wie die Musik der Revue, des Kabaretts und des Zirkus
• aus ihrem ursprünglichen ethnischen und funktionalen Zusammenhang herausgenommene und zur Darbietung gebrachte bzw. durch die Massenmedien verbreitete Volksmusik
• einzelne selbständig gewordene Liedformen wie das Chanson, den Schlager, Kirchenlie-der oder auch Protestsongs
• begrenzt die Filmmusik
• mit zunehmender Bedeutung die verschiedenen Formen der afroamerikanischen Musik bis hin zum Jazz
• seit Anfang der 60iger Jahre die Rockmusik
• Musik als emotionelles Stimulans oder rein illustratives Mittel, als musikalischer Hinter-grund für artistische oder sportliche Darbietungen wie Eiskunstlauf oder als Musik zur Werbung.
Die Blasmusik ist die wohl bei uns am weitesten verbreitete Erscheinungsform der Musik. Da es unser Ziel ist, mit unseren Beiträgen die Musikvereine in der Verbandsgemeinde Geb-hardshain zu unterstützen, möchten wir uns zunächst auch dieser Musikart widmen.
Blasmusik ist die Sammelbezeichnung für Musik, die überwiegend auf Blasinstrumenten aus-geführt wird. Die Blasmusik dominiert in der Militär- und Marschmusik, ist Bestandteil der Unterhaltungsmusik und Folklore, aber auch im sinfonischen Bereich anzutreffen. Entschei-dend für die Entwicklung der Blasmusik war vor allem das 19. Jahrhundert. Durch Verbesse-rungen an den Holzblasinstrumenten (besonders bei Flöte und Klarinette) durch Erfindung der Ventile für die Blechblasinstrumente, durch die Konstruktion neuer Instrumente (Tuba, Saxo-phone), durch das Einbeziehen einer Schlagzeuggruppe und durch die ständige instrumentale Erweiterung und personelle Vergrößerung der Orchester ergaben sich bald Spiel- und Klang-möglichkeiten, die dem Sinfonieorchester nahekamen. Neben ihren militärischen Aufgaben gewann die Blasmusik auch im zivilen Bereich an Bedeutung. Das wiederum führe zu einer Veränderung des Repertoires. Neben Märschen erklangen nun Unterhaltungs- und Tanzkom-positionen (Walzer, Polkas Potpourris), aber auch Bearbeitungen klassischer Werke (Opern-teile, Sinfoniesätze).
Nach 1850 gab es mehrfach Bestrebungen, die die unzählig gewordenen individuellen Beson-derheiten im Blasmusikwesen, verursacht durch unterschiedliche Auffassungen und Möglich-keiten der Militärkapellmeister, zu vereinheitlichen, besonders bezüglich der Besetzung der Orchester und der Stimmung und Notierung der Instrumente. Die im militärisch-professionellen Sektor erreichte Standardisierung konnte sich jedoch im Laienbereich nur schwer durchsetzen. Zunehmend hatten auch Laiengruppen begonnen, nach dem Vorbild der Militärorchester zu musizieren, doch es gab verständlicherweise erhebliche Qualitätsunter-schiede und eine Vielfalt von Besetzungsvarianten.
Im 20. Jh. öffnete sich die Blasmusik anderen Musikformen der Tanz- und Unterhaltungsmu-sik, die auch Einflüsse der Big-Band-Musik einbezog. Anzahl und Qualität der Laienorchester stiegen auch außerhalb Europas beachtlich, obwohl die Zahl der Berufsorchester abnahm.
Die vielen kleinen Bläsergruppen mit ihrer volkstümlichen Musik, für die an verschiedenen Sendern sogar eigene Hitparaden eingerichtet wurden, sind ein massenwirksamer Bereich der populären Musik.
Im weiteren Sinne gehören zur Blasmusik auch Fanfarenzüge, Schalmeienorchester, Jagd-horngruppen und Posaunenchöre.
Volkslied, Volksmusik, volkstümliche Musik
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Volkslied. Johann Gottfried Herder, * 1744 in Mohrungen (Ostpreußen), + 1803 in Weimar, gilt als der Entdecker der Idee des Volksliedes. Mit seinen berühmten Volksliedsammlungen (1774, 1778/79) gab er entscheidende Anregungen für die deutsche Liedkomposition wie für die Volksliedforschung. Die eingebürgerte Bezeichnung <Volkslied> ist die Sammelbezeichnung für verschiedenartige ein- oder mehrstimmige Gesänge in der Volkssprache, die aufgrund überschaubarer Bauart und allgemeinverständlichen Inhalts leicht erfasst und ohne schulmäßige Ausbildung wiedergegeben werden kann. Volkslieder sind weder an eine bestimmte Bevölkerungsschicht noch an einen bestimmten Stand gebunden; wesentliches Kennzeichen ist vielmehr die freie Verfügbarkeit über Schichten und Standesgrenzen hinweg. Wie alle Kulturgüter sind auch Volkslieder prinzipiell kurzlebig. Ihre durchschnittliche Dauer beträgt in der Regel drei bis vier Generationen, wobei jede Zeit ihr eigenes populäres Liedgut besitzt. Größere Überlieferungsdauern entstehen durch Veränderungen und Anpassungen des Liedgutes (Sängervortrag, Liederbücher), Brauchtum oder durch bewusstes Festhalten an hochbewerteten Einzelstücken.
Der Geschichtlichkeit der Volkslieder entspricht die Vielfalt ihrer Gattungen (Ballade, Heimatlied, Abschiedslied, Wanderlied usw.), ihrer Stile und ihrer inhaltlichen, textlichen und musischen Gestalt.
Internationale Dokumentations- und Forschungsstelle für das Volkslied ist das Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg im Breisgau.
Volksmusik gehört zu den wesentlichsten musikalischen Quellen der populären Musik. Volksmusik ist ein bestimmtes historisches Entwicklungsstadium massenhafter Musikpraxis, das mit der Durchsetzung der auf die industrielle Großproduktion begründeten Lebensweise, der scharfen Teilung von Arbeitszeit und Freizeit sowie den damit einsetzenden neuartigen Wiedergabebedürfnissen der Arbeitskraft durch die populäre Musik abgelöst wurde. Die genaue Bestimmung von Volksmusik ist außerordentlich schwierig, zumal der schon durch das Bürgertum aufgebrachte Begriff zu Missverständnissen führte. Gemeint ist mit ihm ja mitnichten die Musik des <Volkes> sondern lediglich die Musikpraxis der unteren sozialen Schichten und dabei wiederum meist diejenigen Formen, die den bürgerlichen Wertvorstellungen vom <Volk> am ehesten entsprachen. Man kann sagen, dass sich der Begriff der Volksmusik auf diejenigen Formen des Musizierens bezieht, die in der Musikpraxis der leibeigenen Bauernschaft, der bäuerlich-dörflichen Gemeinschaften ihren Ursprung haben und sich angesichts der sozialen Barrieren zwischen den Klassen und Schichten auch in relativer Selbständigkeit entwickelten. So blieben sie ein unmittelbarer Spiegel der Lebensweise ihrer sozialen Träger, eingebunden in die alltäglichen Lebensprozesse oder in die rituellen Feste des dörflichen Gemeinwesens, geprägt durch lokale Besonderheiten. Das führte trotz eines im einzelnen begrenzten Repertoires an Liedern und Tänzen, die zumeist auch noch an ganz bestimmte Anlässe gebunden waren (Tänze für bestimmte Feste, Lieder zu Verrichtungen des Alltags usw.) zu einer enormen Formenvielfalt, zumal jedes Lied und jeder Tanz von Generation zu Generation Abwandlungen erfuhr, dabei mit der historischen Veränderung der Lebensweise seiner sozialen Träger immer wieder neuen Antrieb für seine Entwicklung enthielt.
Volkstümliche Musik: Dieser im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung gewinnende Bereich der populären Musik wurde letztlich aus kommerziellen Gründen, als Gegengewicht zur jugendorientierten Rock- und Popmusik in den letzen Jahrzehnten entwickelt und vorangetrieben. Das Eigenschaftswort <volkstümlich> soll auf einfache, leicht aufnehmbare musikalische Strukturen verweisen, gleichzeitig aber eine Abgrenzung von der „echten“ ursprünglichen Volksmusik verdeutlichen. Ausgangspunkte und heute noch dominierend sind die alpenländische Folklore – teilweise original (z.B. „Zillertaler Hochzeitsmarsch“), teilweise nachempfunden (z.B. „Patrona Bavariae“, Günther Berle 1988) – und die Tanzmusik des 19. Jh. (Polka, Marsch, Walzer, Ländler, Lieder). Die in Umfragen wiederholt bestätigte Beliebtheit dieser Musik führte zu jährlichen Wettbewerben „Grand Prix der Volksmusik“ und „Volkstümlichen Hitparaden“ sowie regelmäßigen Sendungen im Rundfunk und Fernsehen. Gleichzeitig erweitere sich auch das stilistische Spektrum: heute spannt sich in den einschlägigen Sendungen der Bogen von Evergreen und Stimmungslied bis zu Operette und Musical, vom Country Song bis zum Shanty. Die volkstümliche Musik nimmt seit den achtziger Jahren in der Publikumsgunst des Platz ein, der in den fünfziger und sechziger Jahren dem Schlager gehörte.
Typisch sind neben den unterschiedlichen Folklorebesetzungen insbesondere kleinere Bläsergruppen (Trompete, Klarinette, Bariton/Tuba, Akkordeon, Schlagzeug) und Blasorchester. Stilbildend wurden z.B. die Original Oberkrainer mit Slavko Avsenik und die von Ernst Mosch geleiteten Original Egerländer Musikanten. In der Gesangmusik trifft man auf Chöre, hervorzuheben Gotthilf Fischer, und unzählige Solisten Duos und Trios usw.
J A Z Z
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Jazz, die afroamerikanische Form der populären Musik, entstand im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in den Südstaaten der USA aus dem spannungs- und konfliktreichen Verhältnis der in Nordame-rika aufeinandertreffenden unterschiedlichen kulturellen Traditionen der schwarzen und weißen Bevölkerung. Der Jazz breitete sich weltweit aus und ist zu einem eigenständigen Bestandteil der zeitgenössischen Musikentwicklung in nahezu allen Ländern der Welt geworden.
Eine allgemeine Definition des Jazz ist angesichts einer enormen stilistischen Vielfalt, der großen Bedeutung der Individualität des Musikers in dieser Musikpraxis und der sich ständig verändernden sozialen Kontextbeziehungen ein fast aussichtsloses Unterfangen.
Den Jazz kennzeichnen folgende Merkmale:
a.) Hauptmerkmal des Jazz ist der Rhythmus, die Takt-Sprache der Musik, die Improvisation. Die Grundlage bilden sogenannte Themata, das heißt selbst arrangierte, individuelle Einleitungsteile, mit denen dann improvisiert wird sowohl als Solo oder von allen Musikern.
b.) Der Rhythmus lebt vom Gegeneinander des durchgängigen Beats (Grundschlag)und unregelmäßigen kleinsten Verschiebungen der Betonung, sogenannten Off-Beats.
c.) Typisch sind die Tonschwankungen zwischen kleinem und großem Intervall, dem sogenannten Blue Notes. Diese Vielfalt der Variationen ist auf Notenpapier so gut wie nicht festzuhalten. Deswegen fiel nicht zuletzt die Erfindung der Schallplatte mit dem Beginn der Verbreitung des Jazz zusammen.
Der Jazz lebt von der Improvisation, was die individuelle Auslegung des Themas durch den Interpreten meint. So hängt die Wirkung eines Jazz-Titels wesentlich davon ab, wie gut die Musiker sind, das heißt wie phantasievoll sie improvisieren können. So sind die Instrumentierung, bei der auch die Stimme als Instrument gilt, die Akzentuierung, die Phrasierung und der Sound die wichtigen Elemen-te.
Die Musiker haben völlige Freiheit in der Wahl von Besetzung, Tempo, Tonart und auch Stilart, so verschmelzen oft die unterschiedlichen Stile des Jazz innerhalb eines Musikstücks. So wird Jazz ge-spielt als Solo, mit kleiner Besetzung als Trio, Quartett, Quintett, Sextett, Combo oder Band und mit großer Besetzung als Big-Band. Im Jazz gibt es keine Doppelbesetzungen, und selbst wenn es mehrere Trompeten und Posaunen - wie bei der Big Band - gibt, ist jeder Jazzmusiker ein Solist. Teamwork ist angesagt, aber nur als Solist kann der Musiker sein Musikgefühl zur Entfaltung bringen, das beim Jazz vom Publikum begeistert gefeiert wird. Bei keiner anderen Musik genießt der Interpret diese Freiheiten.
Die Stilarten des Jazz
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Die Stilarten des Jazz sind vielfältig, weshalb hier nur einige beschrieben werden.
Blues
ist wahrscheinlich die älteste eigenständige Form in der Musik der Afroamerikaner, die zur Urform des Jazz, später auch zu dessen wichtigster Form wurde. Der Blues ist aus Volksge-sängen nordamerikanischen schwarzen Bevölkerung entstanden, die auf afrikanische und eu-ropäische Wurzeln zurück gehen. Die Bezeichnung Blues ins Deutsche übersetzt „Trübsinn“ „Melancholie“ ist erst seit 1912 nachweisbar.
Für die Zuordnung eines Werkes der Jazzmusik zur Gattung Blues ist sowohl der Testgehalt und seine dichterische Form als auch die musikalische Gestalt entscheidend.
Der Jazzmusiker kennt die Standardform mit seinem Zwölftaktschema und den harmonischen Funktionen Tonika ( 4 Takte), Subdominante, Tonika (je 2 Takte), Dominante, Tonika (je 2 Takte). Eine entscheidende Rolle für die Melodik und Harmonik des Blues spielen die Blue Notes mit den erniedrigten Tonstufen kleine Terz, kleine Septime und verminderte Quinte.
Ihrem Charakter entsprechend wurden die Blues ursprünglich im langsamen Tempo vorgetra-gen. Der moderne Blues wie seine Abart der Boogie-Woogie, hält sich an keine bestimmten Tempogepflogenheiten.
Dixieland
bezeichnet man den frühesten Jazz weißer Musiker, der sich um die Jahrhundertwende in New Orleans als weiße Nachahmung des schwarzen New Orleans Jazz herauszubilden be-gann. Der geographische Begriff wurde im 19. Jahrhundert volkstümlicher Name für die Süd-staaten der USA und sollte die Herkunft dieser Musik kennzeichnen.
Free Jazz
bezeichnend für die neuen Strömungen im Jazz, der um 1960 in New York und Chicago ent-standenen Entwicklungsformen des Jazz. Der Free Jazz ist nicht mehr als ein Stil im her-kömmlichen Sinne anzusprechen, da gerade das Aufheben übergreifender und verbindlicher Rahmenbedingungen dafür kennzeichnend geworden sind. Das bedeutet allerdings keinesfalls ein völlig freies, also regelloses Musizieren, selbst wenn an die Stelle einer gemeinsamen thematischen Grundlage hier die freie Improvisation tritt. Der bisherige verbindliche Grund-rhythmus beim Zusammenspiel wurde aufgegeben.
New Orleans Jazz
bezeichnet man den in Tanzhallen und Vergnügungsvierteln entstandenen Jazz, der später auch von aus New Orleans stammenden Musikern, wie auch Louis Armstrong mit seinen le-gendären Hot Five und Hot Seven, bekannt gemacht wurde.
Ursprünglich handelte es sich bei dem New Orleans Jazz um ein Stegreifmusizieren ohne hervorstechende, solistische Beteiligung. Als Grundlage dienten volkstümliche Songs, Schla-ger, Blues und Märsche. Aufgrund freier Umspielungen des Grundthemas entwickelte sich ein vielstimmiges Klangbild. Bezeichnend auch das Zusammenwirken von Melodie- und Rhythmusgruppe mit dem Einfluss der Gesangsvorstellungen der Musiker. Erst mit der Auf-nahme von Schallplatten ab 1921 durch die bedeutendsten Bands wie King Oliver`s Creole Jazz Band, Louis Armstrong and His Hot Five und Jelly Roll Morton`s Red Hot Peppers, ge-wann das Solospiel einzelner Musiker, dass durch die Arrangements festgelegte ausgewogene Zusammenspiel der ganzen Gruppe sowie Perfektion und Präzision in der geschlossenen Dar-bietung eines geschlossenen Jazzstücks immer mehr an Bedeutung. Dieser Stil hat bis heute nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt.
Swing
Unter Swing versteht man den Jazz etwa zwischen 1930 und 1945 vor allem in den Bigbands von Fletcher Henderson und Duke Ellington sich herausgebildeter Stil des Jazz der durch die spektakulären Erfolge des Orchesters von Benny Goodman zu einem Massenphänomen wur-de. Eingeleitet wurde diese Entwicklung durch die Erweiterung des kleinen Jazz-Ensembles auf die Ausmaße einer Big Band, denn das zog zwangsläufig Veränderungen des Musizierens nach sich. So trat an die Stelle des bis dahin für den Jazz charakteristischen spontanen Auf-einander-Reagierens im Rahmen vorher abgetroffener Absprachen jetzt das geschriebene Ar-rangement, denn anders war das Zusammenspiel bei der größeren Anzahl von Musikern nicht mehr zu organisieren. Hinter jeder erfolgreichen Band stand damit im Swing ein profilierter Arrangeur. Die Ausdrucksmöglichkeiten für die Musiker blieben nun völlig auf die eingefüg-ten Soli beschränkt. Die durcharrangierten Stücke ließen dafür aber einen erheblichen Ausbau der harmonischen Basis zu, so dass immer kompliziertere Akkordfolgen das musikalische Geschen zu beherrschen begannen. Zum wichtigsten Kennzeichen der neuen Spielweise, das ihr ab Mitte der dreißiger Jahre den Namen gab, wurde jedoch eine swing genannte rhyth-misch-dynamische Bewegungsform des Jazz, die hier mit gängigem Offbeat-Spiel („weg vom Grundschlag“, Ton bzw. Schlag kommt kurz vor oder hinter dem Grundschlag).
Latin
ist die Sammelbezeichnung für lateinamerikanische Musik. Latin Music verkörpert in den USA jene Musik, die von den spanischsprachigen Bevölkerungsgruppen getragen wird. Eine stilistische Zuordnung lässt sich allerdings nicht vornehmen. Hauptsächlich gemeint ist Musik aus dem lateinamerikanischen Raum, aus Mexiko und Puerto Rico, aber auch einfach Popmusik, die spanisch gesungen ist, ebenso solche Musik, die von den in den USA lebenden Minderheiten aus den betreffenden Regionen gespielt wird. Im engeren Sinn handelt es sich um die Verschmelzung verschiedener Musikgattungen. Die Unterarten des Latin sind Latin Bebop, Latin Bugalu, Latin Jazz und Latin Rock. Wesentlich beim Latin ist die Spielanweisung, die eine Perkussionsbegleitung im Sinne lateinamerikanischer Rhythmusstrukturen fordert.
Atemtechnik
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Die meisten Menschen haben verlernt, richtig zu atmen. Als Säuglinge und Kleinkinder konnten sie es noch. Ganz automatisch, tief und ruhig. Doch mit der Zeit, mit wachsender Anforderung an das Leben, mit Stress und Unruhe, hat sich eine flache, hektische Atmung entwickelt, die unsere körperliche und seelische Gesundheit beeinträchtigen kann. Die meisten Menschen schöpfen ihre Lungenkapazität bei weitem nicht aus und optimieren deshalb auch ihre Sauerstoffversorgung nicht.
Eine gängige und effektive Atemübung für Jedermann besteht in der 4-6-8-Methode
• Man setzt sich entspannt in einen Sessel mit Rückenlehne, stelle die Füße nebeneinander locker auf den Boden und lege die Handrücken auf die Knie.
• Nun mit geschlossenen Augen tief durch die Nase einatmen. Dabei darauf achten, dass sich zuerst der Bauch und dann die Brust hebt. Bis vier zählen.
• Den Atem anhalten und bis sechs zählen.
• Jetzt langsam ausatmen. Die Luft durch den offenen Mund ausströmen lassen und dabei bis acht zählen. Man lasse den Atem zuerst aus dem Bauchraum und dann aus dem Brustraum heraus. Entspannt und locker bleiben. Da der Mund geöffnet ist, darf der Unterkiefer ruhig herabhängen.
• Diese Übung fünf mal wiederholen. Am besten draußen oder bei offenem Fenster.
Atmung beim Spielen von Blasinstrumenten
(Ein Beitrag von Martin Becker)
Anmerkung: In der Literatur werden zahlreiche Theorien zur Thematik des Atmens behandelt. Im Laufe der Musikserie werden –wie auch in anderen Themenbereichen- die aus Sicht des Verfassers wichtigen Theorien vorgestellt. Für Anregungen und auch Kritik ist der Verfasser stets dankbar.
Bläser haben, ob Laie oder Profi, sehr intensiv mit Atmung zu tun. Die willentliche Steuerung der Atmung macht das Blasen erst möglich.
Die Interpretation eines Musikstückes verlangt nach musikalisch sinnvoller Gliederung, zu der die Atemführung genau überlegt sein will. Sich um das genaue „Wie“ zu kümmern, ist eine unumgängliche Grundvoraussetzung jedes Blasens. Gewissermaßen hängt alles davon ab: Gefühl für Metrum, korrekten Rhythmus, Fingertechnik etc. Gerade auch der Umgang mit eigener Nervosität vor Unterricht, Prüfungen und Konzerten lässt sich über ein ruhiges Aus- und Einatmen angehen.
Übrigens: Richtiges Atmen ist für den geübten Redner ebenso wichtig wie für den guten Bläser.
Hier einige kritische Anmerkungen:
In der Praxis denkt ein Bläser beim Üben und Vorbereiten eines Stückes weniger an die Ausatmung. Hört man sich oder den Lehrer nicht oft sagen: „Atme hier tief ein.“
Man sollte annehmen, dass das Thema „Atmung“ in der Unterrichtsliteratur einen gewichti-gen Raum einnimmt. Tatsächlich aber werden Probleme der Atmung beim Spielen von Blasinstrumenten kaum eingehender erörtert; selbst in den Bläserschulen jüngster Zeit wird auf das Thema eher am Rande eingegangen. Dagegen bildet die Atmung bei der Stimm- und Tanzausbildung einen wesentlichen Schwerpunkt.
Die Übungen, die im folgenden beschrieben werden, sollen dabei helfen, eine gute Atemtech-nik zu entwickeln.
Erste Voraussetzung dafür ist, wie immer, viel Geduld. Richtig zu atmen lernt man nicht in einer Woche. Das Training der Atmung ist fester Bestandteil des Übens. Schlechte Atemführung erzeugt eine Vielzahl von Problemen beim Spielen, während eine gute Atemtechnik es erst ermöglicht, ausdrucksvoll und überzeugend zu klingen.
Übung 1:
Lege Dich flach auf den Rücken und atme ein. Halte die Luft für ein paar Sekunden an und atme wieder aus. Achte dabei darauf, dass sich Bauch und Hüften ausdehnen, die Schultern bleiben ganz locker und entspannt. Wenn Du ein Gefühl für die „Bauchatmung“ bekommen hast, wiederhole die Übung und lege Dir einen schweren Gegenstand auf den Bauch. Du wirst dich wundern, welche Kraft in Deinen Bauchmuskeln steckt! Versuche beim Ausatmen den Gegenstand solange wie möglich „oben“ zu halten, nicht zu früh die Bauchdecke einsinken lassen!
Achte darauf, dass Du während der ganzen Übung Deinen Kehlkopf entspannt und offen hältst. Dies kann man mit der Vorstellung des „Gähnens“ am einfachsten erreichen.
Übung 2:
Diese Übung basiert auf der ersten Übung, und Du solltest erst das Gefühl für die Bauatmung ganz sicher beherrschen, bevor Du mit der zweiten Übung beginnst.
Bei dieser Übung kannst Du liegen, stehen oder sogar langsam gehen.
Atme tief, aber möglichst schnell durch den Mund ein. Halte die Luft kurz an, und atme dann ganz langsam und gleichzeitig wieder aus. Stelle dir beim Ausatmen vor, Du müsstest ein Feuer anfachen, und blase die Luft mit gerundeten Lippen heraus. Kontrolliere, ob Du einen wirklich gleichmäßigen Luftstrom produzieren kannst, indem Du Deinen Handrücken kurz vor den Mund hältst. Das Ausatmen sollte möglichst lange dauern.
Achte wieder auf eine entspannte Schulterpartie und einen offenen Kehlkopf.
Übung 3:
Diese Übung setzt das Beherrschen von Übung 1 und 2 voraus, sowie einen schon etwas gefestigten Ansatz. Suche dir einen Ton auf dem Instrument, den Du leicht und sicher spielen kannst. Halte diesen Ton sehr leise und gleichmäßig aus. Versuche dann ganz kurze, aber sehr laute Akzente zu spielen. Mache sie wirklich kurz und kehre direkt wieder zum pianissimo zurück. Dabei solltest Du deutlich Deine Bauchmuskulatur spüren. Versuche aber während des Akzentes die Bauchdecke nach außen gedrückt zu lassen. Nicht den Kehlkopf verkrampfen.
Spiele zuerst sehr wenige Akzente in einem langsamen Tempo:
(spiele Beispiel 1 in Tempo 80)
Später steigere das Tempo und die Häufigkeit.
Übung 4:
Bei dieser Übung solltest Du lernen, einen Ton zu unterbrechen, ohne zu atmen und ohne Zuhilfenahme der Zunge.
Halte zuerst einen beliebigen Ton auf dem Instrument gleichmäßig aus, und versuche dann, den Luftstrom zu stoppen, ohne den Kehlkopf zu schließen.
Spiele jeweils einen Takt und mache einen Takt Pause.
(spiele Beispiel 2 in Tempo 80)
Wenn Du die Übung beherrschst, versuche den Luftstrom aufrechtzuerhalten, aber den Kehl-kopf zu schließen.
Übe beide Arten der Tonunterbrechung abwechselnd.
Zirkularatmung
ist eine spezielle Atemtechnik, die von Musikern benutzt wird, um mit dem Blasinstrument sehr lange ununterbrochene Töne zu spielen.
Normalerweise entspricht die längste Dauer eines Tones auf einem Blasinstrument einer Lungenfüllung. Danach muss man wohl oder übel Luft holen, und dies führt bei fast allen Blasinstrumenten (außer der Mundharmo-nika) dazu, dass der Ton abbricht!
Mit der Zirkularatmung ist man aber in der Lage, einen gewissen Luftvorrat im Rachen- und Mundraum anzulegen und in das Mundstück einflie-ßen zu lassen, während man gleichzeitig durch die Nase einatmet.
Dies hört sich fürchterlich kompliziert an - ist es aber gar nicht. Mit etwa täglich 10 Minuten Übung kann man sich selber die Zirkularatmung beibringen!
Du profitierst von den Übungen der Zirkularatmung so umfassend für Dein gesamtes Spiel, dass es am besten ist, wenn Du möglichst früh damit beginnst!
Zirkularatmung kommt selten zum Einsatz, und ob es musikalisch sehr in-teressant ist, über einige Minuten einen Ton auszuhalten, darüber könnte man lange streiten. Allerdings ist festzustellen, dass das Publikum damit immer wieder stark zu beeindrucken ist! Und dies mit einer Sache, die eigentlich sehr einfach ist!
Das Erlernen der Zirkularatmung hat ganz andere entscheidende Vorteile. Ein sehr wichtiger ist der, dass man sich überhaupt mit der Atmung und ihrer Bedeutung auseinandersetzt.